Der Neue und die Erwartungen

Wenn man als neuer Chef irgendwo anfängt, dann gibt es in der Regel zwei erwartbare Reaktionen: Einerseits eine gewisse Angst bei Mitarbeitern, die immer dann da ist, wenn Veränderungen anstehen. Andererseits freudige Erwartungen bei denen, die Hoffnungen in den neuen Chef setzen. Nicht anders ist das mit dem neuen Theater-Intendanten Karl Sibelius, der derzeit seine erste, im Herbst beginnende Spielzeit im Theater Trier vorbereitet. Die Angst-Phase ist zumindest teils schon überstanden, denn Sibelius hat sich im künstlerischen Bereich von vielen Mitarbeitern getrennt, weil er mit eigener Künstlerauswahl Akzente setzen will. Die freudige Erwartung dagegen wird immer größer, und sie wird von Sibelius und seinem neuen Team auch regelrecht angeheizt. Im Internet-Netzwerk Facebook machen die neuen Theatermacher schon seit Wochen mit Info-Häppchen neugierig auf das, was da ab Herbst im Theater passieren wird. Hohe Erwartungen gibt es deshalb auch bei den regionalen Kulturexperten angesichts des ersten großen offiziellen Termins: Sibelius und sein Leitungsteam stellen heute um 11 Uhr den Spielplan 2015/16 vor. Da dem künftigen Indentanten ja große Kreativität nachgesagt wird, kann er sich bei so einem Termin nicht einfach auf ein Podium setzen und Termine vorlesen. Der Ort der heutigen Pressekonfernez deutet schon mal darauf hin, dass dem auch nicht so sein wird: Sie findet in der Schreinerei des Theaters statt.

Gestritten wird nicht-öffentlich

Vor allem die Verwaltungsmitarbeiter im Trierer Bauamt dürften in jüngster Zeit so einige Male herzlich auf den Trierer Stadtrat geschimpft haben. Der hat nämlich gerade in den vergangenen paar Wochen den über viele Jahre hinweg in Rat und Verwaltung vorbereiteten Flächennutzungsplan wieder in einigen wichtigen Punkten über den Haufen geworfen. Doch das Schimpfen wird den Rathausmitarbeitern nichts bringen: Der Rat ist der Souverän, die Verwaltung das ausführende Organ. Statt wie vorgesehen das wichtige Planungswerk den Bürgern schon in diesen Monaten offen zu legen, damit diese ihre Einwände vorbringen können, muss der Plan nun zunächst einmal noch an vielen Stellen geändert werden. Die Grünen hätten am liebsten gar keine großen, neuen Wohngebiete mehr für die Stadt, die CDU schlägt sich auf die Seite der Gegner eines Wohngebiets am Brubacher Hof und will dieses deutlich verkleinern, der SPD fällt plötzlich auf, dass noch mehr Gewerbeflächen her müssten. Gerne würde man die weiteren Diskussionen dazu ja verfolgen, aber sie werden so wie heute (vertretungsweise von Wirtschaftsdezernent Thomas Egger geleitet) im Bauauschuss nicht-öffentlich geführt (17 Uhr, Konferenzraum Steipe im Rathaus).

Muss-Termin für Politikstudenten

Politisch interessierten Menschen ist Horst Teltschik ein Begriff. Jahrzehntelang war er einer der engsten Berater von Helmut Kohl, erlebte und gestaltete in verschiedenen Funktionen deutsche Nachkriegsgeschichte mit (der TV berichtete am Freitag). Wenn er heute (18 Uhr, Hörsaal 4) zum ersten von drei Vorträgen im Rahmen einer Gastprofessur an die Uni Trier kommt, dann ist das daher eigentlich eine Muss-Veranstaltung für Politologie- und Geschichtsstudenten. Zu verdanken haben die Studenten den hochkarätigen Redner dem Freundeskreis der Universität, dem der ehemalige Trierer Oberbürgermeister Helmut Schröer vorsteht. Veranstaltungen wie die mit Teltschik oder die Gastprofessur von Verfassungsrichter Udo di Fabio 2011 zeigen, wie wertvoll solch ein Freundeskreis sein kann, der auf ehrenamtlichem Weg die Hochschule unterstützt. Jedes Jahr sammelt der Freundeskreis im Schnitt rund 70000 Euro ein, die einer ganzen Reihe verschiedener Projekte an der Uni zu Gute kommen.

Besuch bei zwei Stiefkindern

Ein wenig ist der Wein ja immer noch das Stiefkind in Trier – auch wenn Trier immer die Moselstadt genannt wird. Daran, dass sich das ändert, arbeiten aber mittlerweile eine ganze Reihe von Gastronomen mit Vinotheken oder spezialisierten Weinlokalen. Auch die Wirte am Zurlaubener Ufer tragen ihren Teil dazu bei: Unter anderem mit dem Weinfrühlingsfest, das an diesem Wochenende zum vierten Mal veranstaltet wird. 22 Winzer von Mosel, Saar und Ruwer präsentieren am Samstag- und Sonntagnachmittag am Moselufer auf den Terrassen der Winzer den Jahrgang 2014 – und hoffen auf viele begeisterte Weinfreunde. Mit einem Probierbändchen lassen sich für 15 Euro 66 Weine testen – eine gute Gelegenheit, den heimischen Weinkeller aufzufüllen und zugleich dem zweiten Trierer Stiefkind einen Besuch abzustatten: der Trierer Mosel.

Prosit auf zwei legendäre Trierer

Sie haben Quersummen diverser Geburtstage im April gebildet, sie haben die Quersummen addiert und sind dann irgendwie auf die Zahl 44 gekommen – eine närrische Zahl. Die Elferrats-Mitglieder der KG Heuschreck, Triers ältester Karnevalsgesellschaft, haben es auf ziemlich abenteuerliche, vielleicht auch etwas weingeschwängerte Art und Weise geschafft, einen Anlass zu konstruieren, zu dem sie sich heute am Heuschreckbrunnen treffen können (Beginn 17.30 Uhr, der TV berichtete hier). So abenteuerlich der Anlass ist, so sinnvoll ist er auf der anderen Seite auch. Denn der von der KG Heuschreck gestiftete Brunnen und damit auch das heutige Ereignis rücken zwei Trierer Originale in den Vordergrund, die zwar Trierer kennen, aber längst nicht jeder „Zugereiste“. Dabei sind deren Geschichten wert, immer wieder erzählt zu werden. Josef Mathias Fischer, bekannt geworden als Fischers Maathes (1822 bis 1879) hatte den sprichwörtlichen Schalk im Nacken, es gibt zahlreiche Anekdoten über ihn. Auch der Straßenhändler Johann Leidner (1827 bis 1901) war als „Wichshänschen“ schon zu seinen Lebzeiten legendär. Figuren, auf die es sich lohnt, heute am Brunnen anzustoßen.

Musik in wirklich allen Ohren

Hörgeschädigte zu einem Konzert einzuladen klingt einigermaßen widersinnig. Genau das tut aber heute die Selbsthilfegruppe für Cochlea-Implantat-Träger – und es ist kein schlechter Witz, sondern ernst gemeint und zudem ein Novum. Cochlea-Implantate, kurz CIs, sind Hörprothesen für Menschen, für die ein konventionelles Hörgerät schon keine Hilfe mehr bietet, deren Hörnerv aber noch funktioniert. Über ein kleines Mikrofon und Magnetspulen, die direkt in die Hörschnecke implantiert werden, können die Menschen wieder hören lernen. Die Selbsthilfegruppe lädt nun für heute Abend, 18 Uhr, in den Caspar-Olevian-Saal ein, wo unter anderem Martin Bambauer, Kantor und Organist der evangelischen Kirchengemeinde, sowie weitere Künstler Werke von Bach, Gounod und Händel vortragen werden. Verstärkt durch eine transportable Induktionsschleife werden Wort und Musik direkt in die Ohren der Hörgeschädigten übertragen – Musik für wirklich alle Ohren also.

Auch das Gewerbe braucht noch Platz

Trier braucht dringend Platz für neue Wohngebiete – das spiegelt sich im Flächennutzungsplan, dessen Fortschreibung derzeit heftig in der Stadt diskutiert wird. Trier braucht aber auch – und das schon seit Jahren – weitere Flächen für Gewerbebetriebe. Würde das bekannte schwedische Möbelhaus derzeit beim Rathaus nach Flächen für einen Standort in Trier fragen – Wirtschaftsdezernent Thomas Egger müsste mit den Schultern zucken. Daran wird auch der heutige Termin in Trier-Irsch wenig ändern, aber immerhin: Es entstehen bessere Bedingungen für Gewerbebetriebe. Im Gewerbegebiet BI 6, am Rand des Tarforster Plateaus, wird heute (12.30 Uhr) der Spatenstich für den Ausbau der Erschließungsstraße Langwies vollzogen, die derzeit noch eine provisorische Baustraße ist. 27000 Quadratmeter in dem 42000 Quadratmeter großen Gebiet sind schon bebaut oder verkauft, kleinere und mittlere Gewerbebetriebe und Handwerker sind hier angesiedelt. Da die Nachfrage da ist, dürfte es nicht lange dauern, bis auch die restlichen Flächen weg sind.

Wie Flüchtlinge wirklich leben

Vor allem in diversen Internet-Netzwerken gibt es eine regelrechte Wut- und Hasswelle immer dann, wenn über Flüchtlinge in Deutschland berichtet wird. Auch auf der Volksfreund-Facebook-Seite ist die Redaktion regelmäßig damit beschäftigt, fremdenfeindliche oder rassistische Kommentare zu entfernen. „Pack“ seien die Asylbewerber, ist dann zu lesen, die unsere Sozialsysteme ausnutzten und es sich bei uns gut gehen ließen. Wer sich einmal vor Ort ansieht, wie die Flüchtlinge tatsächlich untergebracht sind, wie sie leben, welche Lebensgeschichten hinter jedem einzelnen Schicksal stecken, der kann über solche Kommentare nur entsetzt den Kopf schütteln. Vielen dieser Kommentatoren möchte man eine Veranstaltung heute in Trier geradezu als Pflichtprogramm empfehlen: Andreas Flämig ist ein langjähriger Mitarbeiter der Caritas in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Trier. Er bietet um 10 Uhr (Treffen am Parkplatz in der Dasbachstraße 19) einen ganz besonderen Stadtrundgang an. Er zeigt den Teilnehmern einer Führung, wie Flüchtlinge die Stadt erleben und wie sie in der Stadt leben. Ein Stadtrundgang, zwischen Bahnhof, Gesundheitsamt und Aufnahmeeinrichtung, der einige Vorurteile stark relativieren dürfte.

Helfen wird sich künftig lohnen

Die Linksfraktion hatte sich der Stimme enthalten, weil der Partei das Ganze nicht weit genug ging – aber alle anderen Stadtratsfraktionen waren dafür: Trier bekommt eine Ehrenamtskarte. Das hat der Stadtrat vergangene Woche beschlossen. Mit solch einer Karte wird das ehrenamtliche Engagement gewürdigt und unterstützt bei all jenen, die sich mindestens fünf Stunden pro Woche oder 250 Stunden im Jahr in der Stadt Trier ehrenamtlich engagieren und dafür keine pauschale finanzielle Entschädigung erhalten.
Fürs Ehrenamt gibt es mit der Karte Vergünstigungen, beispielsweise beim Besuch im Landesmuseum in Trier. Aber auch in anderen Einrichtungen in ganz Rheinland-Pfalz. Damit das wirksam wird, muss OB Klaus Jensen – als eine seiner letzten Amtshandlungen – heute noch eine Kooperationsvereinbarung mit dem Land unterzeichnen (10 Uhr im Rathaus). Die andere Unterschrift leistet Clemens Hoch, Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei.

Beste Lage – seit 1700 Jahren

Was bei den Römern galt, gilt heute noch immer: Die Weberbach (die bei den Römern freilich noch nicht so hieß) ist so etwas wie ein Filetstückchen in der Stadt. Eine Toplage, citynah und doch noch halbwegs ruhig. Zur Römerzeit standen hier in bester Lage zwischen Kaiserthermen und dem römischen Forum Häuser mit prächtiger Ausstattung, die später dem Palastbezirk Kaiser Konstantins weichen mussten. Derzeit wird das Areal von den Forschern des Landesmuseums genau unter die Lupe genommen, denn die dürfen auf einem 1800-Quadratmeter-Grundstück in der Erde wühlen. Schon im vergangenen Herbst berichteten die Archäologen von einer ganzen Reihe spannender Funde aus der Frühzeit der Römerstadt. Heute nun geben sie einen erneuten Zwischenstand direkt vor Ort (Pressekonferenz um 11 Uhr). Noch bis zum Herbst darf gegraben werden, dann machen sich Stadtwerke und Immobilienentwickler GBT daran, dort ihr „Domizil an den Kaiserthermen“ hochzuziehen (33 Wohnungen plus Geschäfte samt Tiefgarage) – was dann auch wieder ein Filetstückchen auf dem Immobilienmarkt sein dürfte.