Entscheiden ohne Koalition

Wenn heute der Trierer Stadtrat zu einer Mammut-Sitzung vor der Sommerpause zusammenkommt (17 Uhr, großer Rathaussaal), dann agiert er noch ohne formelle Übereinkunft über irgendeine Art von Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen. Bekanntlich laufen in kleinen, streng geheimen Gruppen Sondierungsgespräche. Denkbar und durch die Kommunalwahl mit Mehrheiten versehen sind eine große Koalition zwischen CDU und SPD oder eine schwarz-grüne Koalition. Obwohl hinter den Kulissen schon kräftig sondiert wird, ist möglich, dass es über den Sommer keine Ergebnissen gibt. Schließlich spielt für die nächsten Jahre der Trierer Kommunalpolitik der 28. September eine entscheidende Rolle – der Tag der Oberbürgermeisterwahl. Der Stadtrat selbst dürfte bis dahin auch ohne formelle Koalition mit wechselnden Mehrheiten funktionieren – das hat er schließlich im Großen und Ganzen auch schon in den vergangenen vier Jahren getan.

Wo sich Künstler austoben dürfen

Wo Neues entsteht, da dürfen sich Künstler oft großräumig austoben. Bei öffentlichen Bauten ist ein gewisser Anteil Kunst am Bau sogar verpflichtend. Schlagzeilen macht ja dieser Tage der Morbacher Künstler R.O. Schabbach mit seiner Idee, die derzeit entstehende Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig mit einer Lichtinstallation zu einem Touristenmagneten zu machen (der TV berichtete). Ob daraus bei dem umstrittenen Bauwerk etwas wird, ist aber offen. Weniger umstritten ist, dass im Trierer Westen mit der Umnutzung der ehemaligen Gebäude der Firma Bobinet Sinnvolles für die Stadt entsteht, nämlich neuer Wohn- und Lebensraum. Auch dort durfte sich jetzt ein Künstler austoben, und zwar Triers derzeit bekanntester, Bodo Korsig. Er hat ein Kunstwerk geschaffen so groß wie ein Haus beziehungsweise, er hat ein Haus zum Kunstwerk gemacht. Das hat Seltenheitswert und dürfte daher am Sonntag bei der Vernissage auf einiges Interesse stoßen. Dann nämlich ist in dem neuen Bobinet-Quartier einmal mehr die Öffentlichkeit geladen. Im Rahmen der Reihe „Der Sommer wird Bobinet“ gibt es eine große Picknickwiese, einen Trödel- und Design-Flohmarkt sowie Livemusik.

Zu Gast bei der Wirtschaftselite

Gestern das Sommerfest der Industrie- und Handelskammer, heute das Sommerfest von Einzelhandelsverband und City Initiative, morgen die Gala zum 50. Geburtstag des Kreises Junger Unternehmer (KJU) – es sind gleich eine ganze Reihe von hochkarätigen Treffen der Wirtschaftselite in Stadt und Umland, die dieser Tag stattfinden. Dabei ist das Motto der heutigen Veranstaltung „Politik trifft Handel“ wieder besonders aktuell, denn drei Politiker schütteln derzeit besonders gerne viele Hände: die Kandidaten für die OB-Wahl in Trier am 28. September. Wolfram Leibe (SPD), Hiltrud Zock (CDU) und Fred Konrad (Grüne) sind viel auf derartigen Veranstaltungen unterwegs, um sich bekannt zu machen. Die Zahl der möglichen Wähler ist bei solchen Empfängen zwar nicht besonders hoch, aber die Unternehmer und die Verbandsfunktionäre gelten als wichtige Multiplikatoren, also Menschen, deren Wort bei anderen Gewicht hat. Ein gutes Image bei der Wirtschaft ist für einen OB-Kandidaten zweifellos hilfreich. Ohnehin nimmt der OB-Wahlkampf so langsam etwas an Fahrt auf. Die ersten Plakate tauchen im Stadtbild auf, die ersten Anzeigen werden geschaltet. Spätestestens zum Ende der Sommerferien hin müssen alle drei sich und ihre Inhalte dann auch bei breiteren Bevölkerungsschichten bekannt machen, wenn sie am 28. September das Kreuzchen der Wähler bekommen wollen.

Junges Programm vor alten Mauern

Großes Kino vor einer großartigen Kulisse – und dazu auch noch Livemusik: Seit gestern und noch bis Sonntag läuft in Trier das Sound & Vision Festival in den Kaiserthermen. Auf einer 16 mal acht Meter großen Leinwand laufen täglich bekannte und weniger bekannte Kinofilme – und zuvor spielen Bands wie die des Trierer Liedermachers Jochen Leuf, die Trierer Gruppe Foodcoma oder die Johnny Cash Tribute Band. Der Samstag ist Familientag, der Sonntag steht unter dem Motto Chillen & Grillen und bietet entspannte elektronische Musik (mehr Infos unter www.soundvision-trier.de). Laue Sommerabende und -nächte mit Kulturprogramm direkt im Schatten der römischen Ruinen – das ist genau das, was Triers besonderen Charme im Kulturprogramm ausmacht. Das war schon so bei den Antikenfestspielen, das war so bei den Abendveranstaltungen von Brot & Spiele. Den Machern von Sound & Vision ist daher Erfolg zu wünschen – und ein wohlgelaunter Wettergott.

Was vom Reden übrig bleibt

Es war im Juni 2011: der Trierer Stadtrat beauftragte die Verwaltung, Kulturleitlinien aufzustellen. Anhand dieser Leitlininen sollen Handlungsempfehlungen für einzelne kulturelle Bereiche in der Stadt erarbeitet werden. Angesichts der komplexen Herausforderungen, vor denen das Trierer Kulturleben steht (unter anderem Theater-Neubau oder Sanierung?), eine sinnvolle Idee. Eine Aufgabe, die sinnvollerweise der Kulturdezernent Thomas Egger in die Hand nehmen musste. Nachdem sich zunächst lange nichts  zu tun schien, nahm der Prozess im vergangenen Jahr an Fahrt auf. Egger warf eine im kleinen Kreis entworfene, etwas provozierende Streitschrift in die Runde, um die Debatte anzufeuern. Die wurde anschließend in mehreren Runden mit Kulturschaffenden und Bürgern diskutiert – mit teils großem, teils weniger großem Erfolg. Heute nun wird es für alle, die am Leitbildprozess teilgenommen haben, spannend, denn der Dezernent stellt die fertigen Kulturleitlinien vor. Was ist geblieben von den stundenlangen Diskussionen? Wie viel vom provozierenden Entwurf ist noch übrig? Die Antwort gibt es heute um 17 Uhr im Raum 5 des Bildungs- und Medienzentrums am Domfreihof.

Die Bahn kommt – die Gegner auch

Was ist das denn? Sieht so Ausgewogenheit aus? Das hat sich womöglich mancher Leser gedacht, der unsere Ankündigungen zum heutigen TV-Forum zur Reaktivierung der Westtrasse der Bahn in Trier gelesen hat. Auf dem Podium sitzen ab 20 Uhr im Bürgerhaus in Euren nämlich Vertreter der Bahn, von der Luxemburgischen Bahngesellschaft CFL, von der Stadtverwaltung, vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr sowie vom rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium (Details siehe Seite 7). Alles mutmaßlich Anhänger der Fraktion, die den Ausbau der Westtrasse befürworten. Und wo sind die Gegner? Die, die sich über den derzeit erhöhten Lärm beschweren und die fürchten, die Lärmsituation werde mit dem Ausbau der Trasse nur noch schlimmer. Die sitzen vermutlich in großer Zahl im Publikum und bekommen durch das Forum – und das war von Anfang an unsere Idee – endlich die Gelegenheit, ihre Sorgen und Nöte direkt bei den richtigen Ansprechpartnern loszuwerden.

 Und die Verantwortlichen haben umgekehrt die Gelegenheit, direkt vor Ort zum Projekt zu informieren, was die Gegner bisher schmerzlich vermisst haben. Wenn also die eine Seite heute gut informiert und die andere sensibilisiert nach Hause geht, ist das TV-Forum schon ein Erfolg gewesen.

Der Tag der Trierer

Das WM-Finale hat vermutlich den meisten Deutschen und auch den meisten Trierern eine ziemlich lange Nacht beschert. Das wird aber dennoch viele nicht davon abhalten, heute noch einmal zu feiern. Trier-Kenner wissen schließlich, dass der heutige Montag beim Moselfest in Zurlauben der gemütlichste Teil der Veranstaltung ist. Während am Wochenende aus dem ganzen Trierer Umland die Menschen zur Mosel strömen, gehört der Montagabend den Trierern. Man trifft Gott und die Welt und hat auch ausreichend Platz, um zwischen den Wein- und Bierständen hin- und her zu schlendern, ohne Stress und ohne Riesengedränge. Musikalisch stehen mit Armadillo Squad (Funk Rock, 20 Uhr) und Mr. S. and the Lotions Bands (Rock und Pop Cover, 22 Uhr) auf der Bühne, die einen breiten Geschmack des Publikums bedienen dürften. Finalnacht hin, Finalnacht her – in Zurlauben wird weiter gefeiert.

Viel geboten für die Nachbarn

Unter den gut 9000 in Trier lebenden Ausländern sind rund 560 Luxemburger. Die dürfen sich heute wieder freuen, wenngleich sie auch nicht die direkte Zielgruppe der Aktionen in der City sind: Dort lädt nämlich der Händlerverbund City Initiative zum mittlerweile neunten Tag der Luxemburger. Unter dem Motto „Willkommen bei Freunden!“ werden gezielt die Bewohner des Großherzogtums angesprochen. Sie zählen, weil zahlreich und zahlungskräftig, zu den beliebtesten Kunden des Einzelhandels und werden deshalb mit diesem Aktionstag besonders umsorgt. Auf dem Hauptmarkt steht eine Bühne mit Musikprogramm, zweisprachig moderiert, Kinderschminker und ein Zauberer sind vor Ort, Luftballons in Blau, Weiß und Rot schmücken auch viele Geschäfte in der City, die ihre Gäste zum Teil auch mit Sekt oder Sommerbowle empfangen, und zugleich lockt der dritte Design- und Kreativmarkt auch noch vor der Porta Nigra. Einiges geboten also für die Nachbarn – und die Einheimischen schickt aus der City heute selbstverständlich auch niemand weg.

Mit Feuerwerk die Wolken vertreiben

Vor Trierer Großereignissen bekommt der Stadtpatron Petrus auf dem Hauptmarkt ein Blumensträußchen angesteckt. Das soll den angeblich fürs Wetter zuständigen Heiligen milde stimmen. Dass das bei weitem nicht immer funktioniert, ließ sich in diesem Jahr leider beim Altstadtfest beobachten. Das war – Sträußchen hin, Sträußchen her – ziemlich verregnet. Beim Moselfest in Zurlauben, das heute beginnt, wird Petrus in der Regel nicht im Vorhinein bestochen. Angesichts der Vorhersagen hätte das wohl auch wenig Sinn. Daumen drücken darf man aber dennoch, dass die Wolken sich nicht zu heftig über Trier austoben oder vielleicht vom großen Feuerwerk am Samstagabend vertrieben werden – schließlich lebt gerade das Fest am Ufer davon, dass sich die Besucher auf die Moselhänge fläzen und das bunt gemischte Musikprogramm bei ein paar Gläsern Wein, Viez oder Bier genießen können.

Der Herr der Münzen legt nach

Der Herr der Münzen: Karl-Josef Gilles ist ein wandelndes numismatisches Lexikon, und kann einem zu so gut wie jeder Münze der Sammlung im Landesmuseum etwas erzählen. Und das sind viele: 200000 Stück zählt das Trierer Münzkabinett, das eines der größten überhaupt ist. Prunkstück der Sammlung ist der Trierer Goldschatz, das sind die 2600 Münzen, die 1993 zufällig auf einer Baustelle in der Feldstraße gefunden wurden. Diesem Fund hat Gilles, der das Münzkabinett leitet, 2013 ein großes wissenschaftliches Forschungswerk gewidmet. Nun legt der Forscher nach – mit einem Kurzführer. Auf 96 reichlich bebilderten Seiten wird der Trierer Goldschatz präsentiert und erklärt sowie zugleich das gesamte Münzkabinett vorgestellt. Die Leser können erfahren, wie Münzen geprägt wurden, welchen Wert sie hatten und weshalb sie deponiert wurden. Ein Muss also für viele Trier-Bücher-Regale. Heute (18 Uhr) wird der neue Kurz-Führer im Landesmuseum vorgestellt.