Heute wird abgestimmt

Das sind kommunalpolitisch spannende Tage in dieser Woche. Nach dem Grünen-Parteitag am Wochenende steht heute eine Stadtratssitzung in Trier an (Beginn 17 Uhr), die vermutlich einige interessierte Zuschauer anlocken dürfte. Die Wahl des neuen Baudezernenten steht auf der Tagesordnung – und damit die Besetzung einer der zentralen Schaltstellen im Trierer Rathaus. Zum Dezernat gehören schließlich auch die Bereich Planung, Umwelt und Verkehr.  Ob eine Großstadt gute Dezernenten hat, durchschnittliche oder Versager, ist von enormer Bedeutung, denn die Beigeordneten haben weitreichende Entscheidungskompetenzen und müssen große Verwaltungsapparate führen. Idealerweise sollten sie auch noch teamfähig sein und Stadtrat und Öffentlichkeit von ihren Projekten überzeugen können. Eigentlich dürfte die Wahl des 53-jährigen Andreas Ludwig, eines gebürtigen Idar-Obersteiners, ausgemachte Sache sein, schließlich hat er CDU und Grüne und damit die Stadtratsmehrheit hinter sich. Dennoch dürfte interessant sein, zu sehen, ob das schon gleich im ersten Wahlgang klappt oder ob es bei der geheimen Wahl nicht auch einige Abweichler aus den beiden Fraktionen gibt.

Ganz bestimmt nicht langweilig

Wer jemals einen besucht hat, der weiß: Parteitage können mitunter ganz schön langweilige Veranstaltungen sein. Reden anhören, Wahlen ansehen, Regularien abarbeiten. Harte Parteibasisarbeit, nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig.
Das dürfte heute im Warsberger Hof (Beginn 14 Uhr) deutlich anders sein, spannender nämlich. Dort entscheiden die Mitglieder der Grünen, ob es im Trierer Stadtrat künftig zu einer Kooperation mit der CDU kommt. Vier grünen-interne Arbeitsgruppen haben sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Thema befasst sowie vier gemeinsame Arbeitsgruppen von CDU und Grünen, die ein Bündnispapier vorbereitet haben. Bei vielen Grünen und mittlerweile auch bei vielen Christdemokraten sind schwarz-grüne Koalitionen gern gesehen, weil sie zeigen, dass beide Parteien offen und bündnisfähig in verschiedene politische Richtungen sind. Gleichwohl gibt es gerade bei den Grünen aber auch noch eine Menge politische eher links stehender „Traditionalisten“, die es überhaupt nicht gut finden, dass sie mit den Konservativen ins schwarz-grüne Bett steigen sollen. Und die es überhaupt nicht gut finden, dass sich die Stadtratsfraktion unter anderem mit einer hunderprozentigen Abstimmungs-Kehrtwende beim Thema Einzelhandel auf dem Petrisberg der CDU schon untertänigst angedient hat. Es dürfte also heute einige spannende Diskussionen geben.

Die Brücke ins normale Leben

Wer auf die schiefe Bahn gerät, hat es schwer, wieder ins normale Leben integriert zu werden. Straffällig gewordene Menschen haben keine Lobby. Außer in Trier. Hier gibt es den Verein „probare“. Er kümmert sich um Resozialisierung und Rehabilitation straffällig gewordener Menschen. Die Vereinsmitglieder sind Ehrenamtler, die gleichwohl eine große Fachkompetenz haben – denn sie sind zum Teil Bewährungshelfer. Ihr ehrenamtliches Engagement für die Menschen erklärte die Vorsitzende Stephanie Jungen im TV einmal so: „Weil sie keine Lobby haben, durch sämtliche Raster fallen und weil die Leute uns am Herzen liegen.“ Mit teils kleinen Mitteln versucht probare, den Straffälligen Brücken in den Alltag jenseits von Gefängnismauern zu bauen, bringt ihnen beispielsweise bei, wie man ein Haushaltsbuch führt oder Anträge für Verwaltungen ausfüllt. Das Ziel ist auch, die Menschen dauerhaft von der schiefen Bahn herunterzuhalten, Prävention also. Ein lobenswertes Engagement, das heute gefeiert wird (11 Uhr, Viehmarktthermen) – denn Probare wird zehn Jahre alt.

Das berühmte Nähkästchen

Gestern haben wir an dieser Stelle die „letzten Male“ schon angesprochen, die Oberbürgermeister Klaus Jensen in den nächsten Wochen vor der Amtsübergabe noch absolvieren wird. Heute wird es schon ein solches „letztes Mal“ geben, denn Jensen trifft sich zum letzten Pressefrühstück als OB mit Journalisten aus der Stadt. Ein nicht-öffentlicher Termin. Diese regelmäßigen Treffen waren Jensen stets sehr wichtig, denn dabei konnte er seine Sicht auf viele stadtpolitisch bedeutende Dinge an Journalisten weitergeben. Darauf legte er auch deshalb so viel Wert. Das ist ihm deshalb auch oft so wichtig gewesen, weil er sich im politischen Tagesgeschäft als Oberbürgermeister eher neutral zu verhalten hatte, sich im politischen Streit nur ausnahmsweise in aller Deutlichkeit positionierte. Den wortgewaltigen Streit machten die Parteien und Stadtratsfraktionen unter sich aus. Bei den Treffen mit Journalisten plauderte Jensen aber stets aus dem Nähkästchen, ließ auch mal deutlichere Worte fallen – wissend, dass über die besprochenen Themen in der Regel absprachegemäß nicht berichtet wurde.

Pause vorüber, die Politik legt los

Die erste Woche im Januar: Stille. Wie immer gibt es neben einigen Konzerten und wenigen Vorträgen fast nichts an öffentlichen Terminen. An politischen Terminen schon gar nichts. Das zweite Wochenende im Januar hat die Lage aber schon gleich extrem gedreht. Die großen Trierer Parteien CDU und SPD haben ihre Mitglieder in Neujahrsempfängen aufs politische Jahr eingestimmt. Und im Trierer Rathaus haben sich am Samstag die möglichen neuen Baudezernenten in einer Art Fraktions-Casting vorgestellt. Der personelle Wechsel im Baudezernat wird ein großes Thema in diesem Monat sein. Der personelle Wechsel an der Rathausspitze vermutlich auch – denn am 1. April übernimmt der neue Oberbürgermeister Wolfram Leibe das Amt von Klaus Jensen. Bis dahin wird es für den Amtsinhaber so einige „letzte Male“ geben. Neben den personellen Fragen sind aber auch schon bald wieder Sachentscheidungen gefragt: Ortsbeiräte tagen ab dieser Woche wieder – und kommenden Montag legt der Trierer Stadtrat wieder los.

Radweg fertig, Fußweg auch

Das Wort klingt einigermaßen sperrig und ziemlich nach Behördendeutsch: „Ökologische Ersatzmaßnahme Monaise“. Gemeint ist damit nicht, dass das gleichnamige Schlösschen in Trier platt gemacht werden soll, sondern es geht um die zweite Schleusenkammer an der Mosel. Weil deren Bau einen großen Eingriff in die Natur darstellt, wird in unmittelbarer Nähe ein Ausgleich geschaffen – eben die „Ersatzmaßnahme“. 2,3 Millionen Euro kostet dieses Biotop, mit dem direkt an der Mosel eine Art neuer Flussarm entstehen wird. Im Weg lag allerdings der Moselradweg, der bisher direkt am Fluss entlang führte. Der Radweg ist nun verlegt worden – und damit der Weg frei für die weiteren Arbeiten am Biotop. Dass der neue Radweg auf 1,5 Kilometer Länge fertig ist, wird heute gefeiert, er wird unter anderem von Oberbürgermeister Klaus Jensen offiziell freigegeben (13.30 Uhr). Nicht nur an die Radfahrer wurde übrigens gedacht, sondern auch an alle, die gerne per Pedes unterwegs sind: Neben dem Radweg gibt es auch eine Laufstrecke.

Besuchen Sie doch mal den Nikolaus

Er soll an einem 6. Dezember gestorben sein, das genaue Todesjahr irgendwann Mitte des dritten Jahrhunderts ist umstritten: Nikolaus von Myra, dessen Gedenktag heute gefeiert und vor allem von Kindern ja sehnlich erwartet wird. Viele Trierer passieren den bekannten Heiligen übrigens praktisch täglich achtlos – weil sie ihn auch gar nicht sehen, beziehungsweise von seiner Existenz gar nichts wissen: Auf einem Pfeiler der Römerbrücke, von der Autofahrbahn nicht einsehbar, steht eine große Nikolausfigur, die über den Schiffsverkehr wacht. Mehr dazu hier. Nikolaus ist (unter anderem) der Schutzpatron der Schiffer und Seefahrer. Wer sich den etwas verkannten Heiligen dort mal ansehen will: An diesem Wochenende ist die ideale Gelegenheit dazu, denn mit einem Spaziergang am Moselufer lässt sich auch gleich noch der Besuch beim Sterntaler-Weihnachtsmarkt am Zurlaubener Ufer verbinden.

Soft opening am Glühweinstand

Bei Geschäfts- oder Restauranteröffnungen hat sich in den vergangenen Jahren etwas eingebürgert, das man auf gut Denglisch als soft opening bezeichnet. Gemeint ist, dass Restaurants oder Geschäfte schon vor der eigentlichen Eröffnung (mit Banddurchschneiden, Redenschwingen, Musikprogramm, Ehrengästen und so weiter) geöffnet haben. Das Personal ist so schon geübt, die ersten Gäste und Kunden sind schon bedient worden, ehe die Ehrengäste am offiziellen Eröffnungstag eintreffen. Soft openings gibt es mittlerweile auch an anderer Stelle. Schon am Donnerstag und Freitag konnte man auf der Eisbahn auf dem Kornmarkt Runden drehen – ehe der OB am Samstag offiziell zur Eröffnung schritt (siehe Seite 11). Und auch auf dem Trierer Weihnachtsmarkt kann man heute schon den Glühwein oder die Grombereschniedschi (für Zugezogene: Reibekuchen) kosten – auch wenn die offizielle Eröffnung erst am Dienstag folgt.

Der Dom und die Demos

Der Trierer Dom ist ein Anziehungspunkt für Touristen. Als Bischofskirche ist er zugleich ein Anziehungspunkt immer dann, wenn die Kirche im Mittelpunkt steht. Im Positiven (Heilig Rock Wallfahrt) wie im Negativen, also wenn in der Kirche etwas vermeintlich schief läuft. Mehrfach demonstrierten bei Diakonweihen Aktivisten der „Lila Stola“, um damit ihre Kritik an der Männerdominanz in der Kirche zu äußern. Und als im vergangenen Jahr die Bischofskonferenz in Trier tagte, gabe es eine Demo vor dem Dom für mehr Aufklärung in Sachen sexueller Missbrauch in der Kirche. Heute ist der Dom beziehungsweise der benachbarte Bischofshof erneut Schauplatz einer Demo. Es geht um die Amtsenthebung des saarländischen Pfarrers Christoph Eckert (der TV berichtete). Bleibt abzuwarten, ob die Zahl der Demonstranten höher ist als 2013 bei der Bischofskonferenz: Damals kamen gerade mal 30 Protestierer

Vereine kontra freie Szene

Trier gibt viel Geld für Rasen- und Kunstrasenplätze aus. Die Stadt hat auch hohe Sanierungs- und Unterhaltungskosten für Turnhallen. Beide werden von Schulen, aber vor allem von Vereinen genutzt. Andererseits hat die Stadtverwaltung auch den Skatern angeboten, für diese eine Halle zu besorgen. Davon abgesehen, dass die Skater dieses Geschenk überraschenderweise abgeschlagen haben, ist der Fall ein gutes Beispiel dafür, dass die Stadt sich auch um den nicht-vereinsmäßigen, sondern selbst organisierten Sport kümmert. Zugleich ist es aber auch ein Beispiel dafür, dass so ein Kümmern nicht ohne Konflikte abläuft – denn mancher Verein blickte schon etwas neidisch auf die hohen Summen, über die die Skater sich eigentlich hätten freuen müssen. Vielleicht ist der Fall deshalb heute auch ein Prima Beispiel: Der Landessportbund lädt zum Forum Sportstättenentwicklung (10 bis 14 Uhr, Europäische Sportakademie), bei dem es um Interessenskonflikte zwischen dem organisierten und dem selbst organisierten Sport gehen soll.