15000-fach muss heute ein Umweg gefahren werden – und der führt teils auch durch Trier. Die marode Grenzbrücke zwischen Wellen und Grevenmacher, die täglich von dieser Zahl an Autofahrern genutzt wird, wird durch eine neue ersetzt. Sowas geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert bis Mitte Oktober. Den vielen Pendlern fehlt also eine der wichtigen Querungen der Mosel zwischen Deutschland und Luxemburg. Ein Teil von ihnen wird über die weiter südwestlich liegenden Brücken bei Wincheringen und Remich ausweichen, ein anderer Teil über Konz und Trier den Weg Richtung Luxemburg suchen. Droht deshalb nun den ganzen Sommer über Verkehrschaos in der Stadt? Wohl kaum. Schon die Sperrung der Bitburger im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass eine Zahl wie „15000 Autofahrer“ (bei der Bitburger waren es sogar 25.000) zwar zunächst beeindruckend klingt, sich aber angesichts der diversen Umfahrungsmöglichkeiten nach vielleicht ein paar Tagen des Suchens ganz gut verteilt. Schon ein einziger unaufmerksamer Autofahrer, der im Berufsverkehr am Morgen am Moselufer einen Blechschaden verursacht, dürfte ein wesentlich höheren Stau-Auslöse-Potential für die Stadt Trier haben als diese unvermeidliche Baumaßnahme.
Großer Tag für neun Männer
Neun Männer, alle ohnehin schon stark in der katholischen Kirche engagiert, stellen ab heute ihr Leben noch stärker in deren Dienst: Sie werden zu Diakonen geweiht (der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr im Dom). Sechs von ihnen werden Diakone mit Zivilberuf, drei von ihnen zu hauptberuflichen Diakonen. Mit dabei sind auch David Bruch, Jahrgang 1975 aus Trier, der künftig pastorale Dienste in Trier-Ehrang, Pfalzel und Biewer übernehmen wird, und Werner Oberheim, Jahrgang 1964, ebenfalls aus Trier, der künftig in Sankt Paulin eingesetzt wird. Mit ihnen und den sieben Kollegen sind es dann 194 Diakone im Bistum Trier. Alles Männer. Für Frauen hat die Katholische Kirche an dieser Stelle ja bisher keinen Platz – auch wenn es jüngst von den deutschen Bischöfen Zeichen gegeben hat, man könne sich so eine Art Frauendiakonat vorstellen. Bis es so weit ist, dürfte noch einiges an Wasser die Mosel hinabfließen. Selbst vielen Menschen in der Katholischen Kirche geht es mit der Gleichbehandlung der Frauen einfach deutlich zu langsam. Wenn sich vor dem Dom die Mitglieder der „Wir sind Kirche“-Gruppe heute zur Diakonweihe mit ihrer Aktion „Lila Stola“ für volle Gleichberechtigung von Frauen in der Katholischen Kirche einsetzen, dürfte Ihnen daher einige Sympathie gewiss sein.
Von Mobs und Idahos
Englischkenntnisse sind heutzutage hilfreich – vor allem bei der Lektüre mancher Veranstaltungsankündigung. Da geht es oft um Fun, Action oder Events – deutsche Wörter erscheinen vielen Veranstaltern nicht „cool“ genug. Wenn der Schmit-Z e.V., also das Schwul-lesbische Zentrum Trier, zu einer heute beginnenden Veranstaltungsreihe einlädt, ist da auch ein ziemlich erklärungsbedürftiger Begriff: Idaho. Gemeint ist nicht der US-Bundesstaat, sondern der International Day against Homophobia, zu Deutsch: Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie. Der wird am 17. Mai begangen, zur Erinnerung an den 17. Mai 1990, den Tag, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschloss, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel zu streichen. Unter anderem wird der Idaho heute um 18 Uhr mit einem Flashmob begangen – noch so ein Fremdwort. Für das gibt’s aber noch gar keine passende Übersetzung.
Ein Fall für die Statistik
Ein paar Sätze, die heute fallen werden, sind vorher schon ziemlich sicher absehbar. „Die Region Trier ist die sicherste in Rheinland-Pfalz“, zum Beispiel, oder: „Die Aufklärungsquote ist überdurchschnittlich hoch.“ Solche Sätze fallen einmal im Jahr, dann nämlich, wenn Polizeipräsident Lothar Schömann die polizeiliche Kriminalitätsstatistik des Vorjahres vorstellt. Heute ist es im Polizeipräsidium wieder so weit.
Bei Statistiken gilt ja oft der scherzhafte Rat, man solle ihnen nur trauen, wenn man sie selbst gefälscht hat. Man darf bei der Polizei wohl unterstellen, dass sich die Fälscherabsichten in Grenzen halten. Dass die Statistiken oft zu großen Teilen Erfolgsbilanzen sind, verwundert dennoch nicht, schließlich ist es das gute Recht und die Pflicht jeden Behördenleiters, seine Mannschaft möglichst gut zu verkaufen.
Besonders interessant sind die Teile der Statistik, in denen die Polizei neue Trends ausmacht. 2011 war das beispielsweise die gestiegene Gewaltkriminalität, die den Beamten zu schaffen macht.
Ein ganz brandaktuelles Delikt taucht in der Statistik sicherlich noch nicht auf, denn es geht heute ja um die Bilanz 2012: der Marx-Figuren-Klau rund um die Porta Nigra. Der füllt angesichts der Vielzahl der Fälle im nächsten Jahr dann vielleicht eine eigene Kategorie aus.
Leute machen Kleider
In Trier ist heute richtig Theater. Mitten in der Stadt und draußen auf der Straße. Keine Profi-Schauspieler sind dort unterwegs, sondern Amateure. Ihr Theater wird aber so manchen Einkäufer vielleicht nachdenklich machen – denn es konfrontiert ihn mit unangenehmen Fragen. Wenn T-Shirts fünf Euro kosten, Jeans 20 oder komplette Anzüge unter 100, dann denken viele Verbraucher lieber nicht darüber nach, unter welchen Bedingungen diese Waren entstanden sind. Die Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) will mit dem Straßentheater (ab 16.30 Uhr) vor mehreren Bekleidungsgeschäften zum Gedenken an die Opfer des Fabrikeinsturzes in Bangladesch beitragen. 1127 Tote und 2438 Verletzte sind nach dem dramatischen Unglück in einer Textilfabrik zu beklagen. Am Pranger stehen internationale Textilfirmen wie C&A und H&M – die sich nach den Ereignissen mittlerweile sogar zu bewegen scheinen und sich nun durch den öffentlichen Druck hinter neue Brand- und Gebäudeschutz-Regeln in Bangladesch gestellt haben. Gruppen wie die AGF wollen jedenfalls dafür sorgen, dass sich das Bewusstsein der Verbraucher ändert – wohl der einzige Weg, nachhaltig für Veränderungen zu sorgen.
Großer Tag für kleine Knirpse
Vor ziemlich genau einem Jahr ging die große Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier zu Ende. Zu den schönsten Bildern der Wallfahrt zählte und zählen bei den jährlichen Heilig-Rock-Tagen immer die Stunden und Tage, an denen Kindergartenkinder den Dom füllen dürfen. Statt mit dem großen, ehrfürchtigen Respekt der Erwachsenen gehen sie mit kindlicher Unbefangenheit in den Dom – und lachen und lärmen auch schon mal ganz unfromm zwischen Hochaltar, Chor und Krypta herum. Heute und morgen wird es wieder ähnlich bunt und lustig im Dom zugehen, denn das Bistum Trier lädt zu den Begegnungstagen 2013 für Kindertageseinrichtungen ein. Erwartet werden 5500 Kinder und Erwachsene. In der Regel sind es die Vorschulkinder, die mit ihren Erziehern einen Ausflug nach Trier machen – ein großes Ereignis für die kleinen Knirpse.
Wandern mit und ohne Kreuz
Zwei Gruppen von Wanderern dürften einem heute rund um Trier verstärkt begegnen. Einmal natürlich – es ist Vatertag – diverse Männergrüppchen, die der bierseligen Geselligkeit frönen, gerne auch mit entsprechendem Proviant ausgerüstet, in der Natur unterwegs oder einfach auf Kneipentour sind. Darunter sind übrigens auch zahlreiche Nicht-Väter, die den Tag aber nach dem „Kann-ja-noch-kommen“-Motto gerne mitnutzen.
Nüchterner geht es bei der anderen Gruppe von Wanderern zu, die aus allen Himmelsrichtungen kommend nur ein Ziel haben: Trier. Es sind die Wallfahrer, die zum Grab des Apostels Matthias in der gleichnamigen Abtei in Trier-Süd pilgern. Das Grab hat die Stadt Trier der Legende nach Kaiserin Helena zu verdanken, die die Gebeine des Apostels als Reliquie nach Trier gebracht haben soll. Entdeckt wurden die Gebeine beim Neubau der Basilika im Jahr 1127. Wie beim Heiligen Rock – angeblich ebenfalls auf Helena zurückgehend –, so polarisieren auch diese Reliquien seit Jahrhunderten. Die einen belächeln sie, für die anderen sind sie wahre Anziehungspunkte. In tagelangen Wanderungen pilgern deshalb Gruppen aus der ganzen Region Trier und teils weit darüber hinaus, das Kreuz vorweg tragend, derzeit nach Trier. Rund 5000 Matthias-Pilger kommen in den insgesamt vier Wochen rund um Pfingsten, Höhepunkt ist an diesem Sonntag.
Kultur wird heute eingeschifft
Wenn das Wetter mitspielt, wird das heute ein bisschen so etwas wie eine Generalprobe für das Moselfest in Zurlauben (12. bis 15. Juli): Am dortigen Ufer gibt es ab 18.30 Uhr eine Open-Air-Bühne, die Tufa stellt Tanz-, Musical- und Videoproduktionen vor, das Orchester der Stadt Trier spielt auf, ein französisches Percussions-Ensemble haut auf die Pauke und es gibt einen deutsch-französischen Dichter-Wettkampf. Das Besondere dabei: die Unterhaltung wird quasi eingeschifft. Der mit Bühne und Ausstellungsraum umgebaute ehemalige Frachter „Cassian Carl“ legt in Zurlauben an – eine Aktion des Kultursommers Rheinland-Pfalz, mit der der 50. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages gefeiert wird. Die Cassian Carl fährt deshalb mit einem Kulturprogramm über Rhein und Mosel von Mainz nach Metz – und soll damit die Großregion verbinden – die sich kulturell noch längst nicht immer als solche versteht.
Streitschrift aus dem Hause Egger
An Diskussionsthemen herrscht in Trier ja kein Mangel – ein weiteres kommt heute hinzu. Im Juni 2011 hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, für den Kulturbereich Leitlinien zu entwickeln. Dass nach fast zwei Jahren noch immer nichts davon zu hören war, hat im Rat schon für deutliches Grummeln gesorgt. Heute nun stellt Kulturdezernent Thomas Egger ein Arbeitspapier im Kulturausschuss vor, das dann auf unterschiedlichsten Ebenen debattiert werden soll. Die sechs Din-A4-Seiten wurden von einer kleinen Arbeitsgruppe erstellt – zu der auch Professor Dieter Haselbach von der ICG Berlin gehörte. Jener Experte also, der auch das Strukturkonzept fürs Theater entwirft. Wie man hört, soll das Papier durchaus provokative Ansätze enthalten, mit denen der Dezernent die Diskussion antreiben will. Eggers Streitschrift sozusagen – spannend zu sehen, wie sie ankommt.
Marx macht mobil
Nun stehen sie da, die Marx-Menschen des Nürnberger Künstlers Ottmar Hörl. Rund um die Porta Nigra. Ob’s künstlerisch wertvoll ist, werden die Kunstkritiker in nächster Zeit bewerten müssen. Spiegel Online sprach dieser Tage schon eher abwertend von „platter Polit-Kunst“ und der „Vergartenzwergung des Karl Marx“. Ob die Figuren tatsächlich der Auseinandersetzung mit dem Philosophen dienen, wird sich auch erst zeigen müssen. Hingucker sind sie aber zweifellos. PR-Bringer für die Stadt Trier in jedem Fall.
Die größte deutsche Nachrichtenagentur dpa hat schon mehrere Berichte und Fotos zu dem Thema gesendet, die von Zeitungen, Zeitschriften und Onlinemedien in ganz Deutschland und in Europa veröffentlicht werden. Spätestens am Sonntag, wenn die Installation eröffnet wird, werden auch Fernsehbilder folgen. Der berühmteste Trierer vor dem berühmtesten Trierer Denkmal – wenn das mal keine gute Werbung ist.